Stefan Sagmeister hat Cover für die Rolling Stones und Lou Reed gestaltet, Designgeschichte mitgeschrieben und Ausstellungen von New York bis Indonesien umgesetzt. Gleichzeitig ist er bekannt dafür, sein Studio regelmäßig für ein Jahr zuzusperren – für Sabbaticals, die mehr sind als verlängerte Urlaube. In dieser Episode von „Less of the Same“ spricht Charlotte Buffler mit ihm darüber, wie man in einer globalisierten Ästhetik und in effizienzgetriebener Kreativarbeit bewusst Brüche schafft. Sagmeister erzählt von einer Karriere, die mit einer Einladungskarte mit Nacktbild begann – einem Projekt, das ihn fast seinen einzigen Kunden gekostet hätte und ihm am Ende internationale Sichtbarkeit verschafft hat. Er beschreibt, wie aus einem Studio mit klassischer Auftragsarbeit Schritt für Schritt ein Sabbatical Studio wurde, das heute fast ausschließlich an eigenen, langfristigen Themen arbeitet: Glück, Schönheit, Langzeitdenken. Im Zentrum steht die Frage, was Kreativität wirklich nährt. Sagmeister spricht über seine Sabbaticals in New York, Indonesien, Mexiko, Madrid und den österreichischen Alpen – mal ohne Plan, mal mit strengem Stundenplan, immer als Versuch, Routinen zu unterbrechen und Platz für neue Gedanken zu schaffen. Er erzählt, warum ausgerechnet die Projekte, die während dieser Pausen entstanden sind, heute den Kern seines Werks ausmachen. Das Gespräch bewegt sich zwischen persönlicher Biografie, Designgeschichte und Kulturkritik: von einer Designszene, die in den 90ern noch über Provokation gestritten hat, über eine Gegenwart, in der Instagram-Ästhetik und globale Markenbilder vieles glattziehen, bis zur Frage, ob wir uns gerade in einer neuen „Sea of Sameness“ bewegen. Sagmeister erklärt, warum Menschen gleichzeitig Vertrautes und Neues brauchen – und wie die Balance kippt, wenn Sicherheit, Angst oder wirtschaftlicher Druck ins Spiel kommen. Ein wiederkehrendes Motiv ist das Glück. Aufbauend auf seiner „Happy Show“ und dem „Happy Film“ spricht Sagmeister darüber, warum Information allein – ob aus 100 Büchern oder einer KI-Zusammenfassung – nicht reicht. Entscheidend sei die tiefe Beschäftigung mit einem Thema und die Frage, wie sich Erkenntnisse wirklich ins Leben integrieren lassen. Er erzählt, wie ihn die Arbeit mit dem Psychologen Jonathan Haidt dazu gebracht hat, Beziehungen, Arbeit und größere Projekte neu zu sortieren – mit überraschend pragmatischen Konsequenzen. „Glück macht mich produktiver“, sagt Sagmeister – und widerspricht damit der romantischen Idee, dass Leiden automatisch zu besserer Kunst führt. Er plädiert für eine ernst genommene Lebensfreude, verbunden mit Disziplin und harter Arbeit. Picasso, Warhol, Lou Reed: Für ihn sind sie Beispiele dafür, wie Fleiß, Neugier und eine fast obsessive Produktion Teil einer kreativen Biografie werden. Wer diese Folge hört, bekommt nicht nur Einblicke in die Arbeitsweise eines der bekanntesten österreichischen Designer, sondern auch in eine Haltung zu Zeit, Risiko und Schönheit. Es geht darum, wie man Pausen so plant, dass aus ihnen wirklich Neues entsteht, wie man sich nicht von Algorithmen den Geschmack diktieren lässt – und warum die wichtigste Entscheidung oft die ist, etwas wirklich anders zu machen, auch wenn niemand danach gefragt hat. Diese Episode ist für alle, die sich fragen, wie man über Jahre kreativ bleibt, warum es Mut braucht, Arbeit zu unterbrechen, und wie man in einer Welt voller Templates eine eigene visuelle und inhaltliche Sprache findet.
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