Kein Automobilhersteller würde ein neues Modell ohne Crashtest auf den Markt bringen. In der Baubranche ist die Baustelle immer noch das Testfeld – und jede Überraschung kostet ein Vielfaches dessen, was ihre Vermeidung gekostet hätte. Dr. Michael Breitenberger verbindet zwei Welten, die in der Baubranche selten zusammengedacht werden: Bauingenieurwesen und Softwareentwicklung. Nach seiner Promotion an der TU München, Forschungsprojekten im Maschinenbau und Stationen bei der Autobahn GmbH des Bundes, als Chief Digitalization Officer bei NOKERA und als Vorstand der COPLAN AG hat er Anfang 2026 CERITUM gegründet – ein Unternehmen, das Daten-Controlling für Großbauprojekte anbietet und modellbasierte Projektkontrolle mit Methoden aus der Softwareentwicklung verbindet. In diesem Gespräch geht es um die Frage, warum die Baubranche trotz aller BIM-Bemühungen noch weit entfernt ist von dem, was in der Software- oder Automobilindustrie seit Jahrzehnten Standard ist. Michael erklärt, warum das Problem nicht im Willen der einzelnen Akteure liegt, sondern in der fehlenden gemeinsamen Sprache zwischen den Beteiligten. Er spricht über den Unterschied zwischen Symptombekämpfung und Ursachenarbeit, über Projektdenken versus Assetdenken, über Skalierungseffekte, die Faktor 100 erreichen können – und darüber, warum strukturiertes Arbeiten und Ordnung im Datenhaushalt der unterschätzteste Hebel der gesamten Branche ist. Ein Gespräch für alle, die Digitalisierung nicht als IT-Thema verstehen, sondern als strategische Weichenstellung für ihr Unternehmen.
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